6 typische Anfängerfehler im LARP
Anfänger-Tipps

6 typische Anfängerfehler im LARP und wie man sie umgeht

Nachfolgend findest du 6 typische Anfängerfehler im LARP und wie du es besser machen kannst. Jeder macht Fehler und das ist auch normal und vollkommen okay. Trotzdem musst du nicht jeden Fehler wiederholen, den schon hunderte Andere vor dir gemacht haben. Erfahrungsgemäß machen gerade Anfänger ähnliche oder gleiche Fehler immer wieder. Wenn du dich an folgende Dinge hälst, kannst du leicht viel Zeit, Geld und Nerven sparen. 🙂

1. Zu viel Geld ausgeben

Wer mit LARP startet steht häufig auch schnell finanziell vor einer großen Herausforderung. Man braucht eine Gewandung, ein Zelt, Kochutensilien und so weiter. Da kommen schnell mehrere Hundert Euro an Ausgaben zusammen. Achja, und die Tickets für die Cons wollen ja auch noch bezahlt werden.

 

Aber muss das wirklich sein für ein neues Hobby das ich noch gar nicht kenne und vielleicht erstmal nur ausprobieren will? NEIN! Fast alles was man für seine erste Con braucht kann man auch günstig gebraucht kaufen, leihen oder selbst machen.

Gewandung

Eine einfache Anfänger-Gewandung lässt sich häufig sogar mit Dingen zusammen stellen, die man bereits besitzt. Eine Stoffhose dazu ein altes Trachtenhemd von Opa und ein Hut geben eine großartige Gewandung ab ohne dass man mehr Aufwand hatte als den eigenen Schrank oder Dachboden zu durchwühlen.

 

Die Mädels haben es sogar noch einfacher: eine schlichte Bluse, ein langer Maxirock, vielleicht noch eine Schürze und ein Kopftuch aus Stoffresten dazu. Fertig ist die erste Gewandung. An den Füßen machen sich je nach Wetter Lederschuhe oder Wanderstiefel in braun oder schwarz gut.

irrlicht-larpt Anfängergewandung für LARP

Zelte

Ich gebe zu, ein Zelt zaubert fast niemand mal eben vom Dachboden hervor. Trotzdem kann man von einem Anfänger nicht erwarten direkt eins zu besitzen und das tut in der Regel auch niemand.

 

Sollte deine erste Con eine Ein-Tages-Veranstaltung sein oder in einer Location statt finden, die Schlafmöglichkeiten anbietet ist das aber erstmal auch kein Problem.

 

Wenn du mit einer Zelt-Con starten möchtest und vielleicht jemanden kennst, der das Hobby schon länger betreibt als du stehen die Chancen aber gut, dass du einfach bei jemand anderem im Zelt schlafen darfst oder dir ein Zelt ausleihen kannst. Erfahrungsgemäß wird gerade LARP-Anfängern gerne geholfen.

 

Wenn alles nichts hilft und du wirklich unbedingt ein Zelt brauchst, muss es allerdings trotzdem nicht das teuerste Ritterzelt mit 6x6m Platz und zwei Stockwerken sein. Viele Veranstalter erlauben Anfängern etwas abseits vom Geschehen auch normale Campingzelte aufzustellen und diese mit großen Leinentüchern abzutarnen. Hier reicht es schon vor der Veranstaltung einfach mal bei der Orga nachzufragen was erlaubt ist.

Essgeschirr

Hier gibt es zwei Extreme. Der eine ist von Anfang an top-ausgestattet und kann mit dem vorhandenen Geschirr ganze Armeen bewirten. Der andere besitzt mit viel Glück einen Bierhumpen.

 

Genau genommen ist beides blöd. Eine Grundausstattung könnte zum Beispiel aus folgenden Dingen bestehen: Teller oder Holzbrettchen, Suppenschüssel, scharfes Messer, Gabel, Löffel und ein Krug. (Wenn du die Wahl hast, versuche einen Krug mit Deckel auszusuchen um Insekten daran zu hindern in dein Getränk zu krabbeln. Ein Wespenstich in der Zunge macht einfach keinen Spaß.)

 

Hier kannst du wieder einfach mal deine Küche absuchen ob du nicht schon das ein oder andere besitzt was sich verwenden lässt. Steakmesser aus dem Grillbedarf lassen sich zum Beispiel prima zweckentfremden. Sollte etwas fehlen sind Flohmärkte deine nächste Anlaufstelle um zum Beispiel eine hübsche Holzschüssel und einen alten Zinnkrug mit Deckel zu ergattern. Aber auch Dekogeschäfte haben manchmal das ein oder andere Teil für günstiges Geld zu haben. So kam ich zum Beispiel an diesen kupfernen Schnapsbecher.

irrlicht-larpt Anfängergeschirr für LARP

2. Schwierige und unglaubwürdige Charakterkonzepte

Ein typischer Anfängerfehler im LARP ist, dass ein zu kompliziertes Charakterkonzept gewählt wird. Manche versuchen auch mehrere Konzepte zu verbinden was dazu führt, dass der Charakter unglaubwürdig wird. Hier einige Beispiele wie man’s nicht machen soll:

 

Der Alles-Könner

Die uralte Hochelfe, die alles weiß, alles schon mindestens 1x gesehen hat und sowieso die Klügste ist und Menschen taugen auch zu nichts. Interessantes Konzept, ABER du kannst als Anfänger gar nicht so viel wissen, wie besagte Elfe. Wenn dich jemand etwas fragt, wirst du vermutlich gnadenlos schnell als Hochstapler entlarvt und stehst ganz schon dumm da. Und mal ganz nebenbei welchen Grund solltest du haben mit einem solchen Charakter unter Menschen zu leben oder gar mit ihnen zu sprechen?

 

Der Unentschlossene

Der zwergisch abstammende Halbelfen-Ork-Priester-Hobbit mit dem heiligen Schwert der dämonischen Verdammnis, der aber mit dem magischen Tarnumhang aus Einhornfell aussieht wie ein normaler Mensch, der sich eine Wolldecke über die Schultern geworfen hat (und weil Schminken doof und ordentliche Gewandung zu teuer ist). Äh… der was?

 

Der 2-Meter-Zwerg

LARP lebt von Klischees. Zwerge sind klein, bärtig und trinken viel Bier. Elfen sind groß, wunderschön und haben eine besondere Verbindung zu der Natur. Orks haben eine ungesunde Hautfarbe sind grob, wild und haben schlechte Zähne. Bei der Wahl deiner Rolle und später beim Zusammenstellen deiner Gewandung solltest du immer im Hinterkopf haben: “Werde ich als das erkannt, was ich darstellen will?”

 

Wenn du sehr groß bist, wirst du selbst mit der besten Zwergengewandung und dem prächtigsten Bart nicht als Zwerg erkannt werden. Eine Elfe ohne spitze Ohren ist ein Mensch. Eine Prinzessin ohne Gefolge ist eine gut gekleidete Dame. Ein Barde, der keine Musik macht ist nur ein Landstreicher und so weiter.

3. Lange und komplizierte Namen und Titel

Der Waldelf Méliondré Àpóstróphérix Grumterniksikon von den 73 Himmlischen Blaubärbergen, 7. seines Namens und Verfechter der framonlinischen Freibierkultur muss sich wahrscheinlich einen Spickzettel schreiben um seinen eigenen Namen richtig aufsagen zu können.

 

Der Name deines Charakters sollte sich leicht merken lassen. Titel verwendest du nur, wenn dein Charakter ihn auch verdient. Eine Tänzerin, die mit Baronesse angesprochen werden möchte aber keine ist, wirkt seltsam und unglaubwürdig.

 

Als Faustregel sollte der Name deines Charakters nicht mehr als drei Silben haben und gut auszusprechen sein. Wenn du unbedingt einen längeren Namen möchtest, kannst du deinem Charakter auch einen Spitznamen geben. Der Nachname darf ein bisschen länger sein, muss er aber nicht. 

 

Besondere Titel wie zum Beispiel “Held von Steinküste” kannst du dir während einer Con verdienen und hast gleich eine Geschichte, die auch wirklich passiert ist, zu erzählen. Findest du nicht auch, dass ein verdienter Titel gleich viel mehr wert ist als einer, den du deinem Charakter einfach gegeben hast? Lass mir gerne einen Kommentar dazu da 🙂

4. Die Sprache

“Weißt du wo die Dixis sind?” oder “Hast du mal ‘n Feuerzeug?” sind Sätze, die OT vollkommen normal sind, aber auf Cons legen Larper wert auf eine IT-taugliche Sprache. Damit meine ich nicht “Oh, holde Maid, seid gnädig und verratet mir doch, wo finde ich das Herrenklo?”. Es genügt vollkommen einfach moderne Ausdrücke zu vermeiden und anstatt “Dixi” lieber “Abtritt” oder “Abort” zu sagen. Die zweite Frage lässt sich wunderbar mit “Hast du was zum Feuermachen?” umschreiben.

 

Begriffe wie “edler Recke” oder “holde Jungfer” hört man auf Mittelaltermärkten relativ häufig. Im LARP wird dieser so genannte Marktsprech allerdings nur von den wenigsten verwendet. Meistens wirkt es vorallem aufgesetzt und eher albern.

 

Übrigens: diese Art zu reden ist eine reine Kunstsprache, die seit etwa 1980 existiert und die ausschließlich Händler auf Mittelaltermärkten verwenden um ihre Waren anzupreisen. Historisch wurde der Marktsprech niemals verwendet.

 

Wer sich hier weiter informieren möchte kann nach Althochdeutsch (gesprochen von ca. 750 – 1050) oder Mittelhochdeutsch (gesprochen von ca. 1050 und 1350) suchen.

5. Ich kenne die Regeln nicht

Die meisten Cons richten sich nach dem Regelsystem “DKWDDK”, welches ausgeschrieben “Du kannst, was du darstellen kannst” bedeutet. Die meisten Fragen lassen sich damit schon beantworten. Du kannst zum Beispiel, wenn du einen Magier spielst nur dann einen Feuerball werfen, wenn du es auch darstellen kannst.

 

Darüber hinaus gibt es auf vielen Veranstaltungen eigene Regeln zu Alchemie- und Magiesystemen, Fallen und Kampf. Diese sind dann normalerweise auf der Veranstaltungshomepage zu finden oder können bei der Orga angefragt werden. Wenn du keinen Charakter mit einer entsprechenden Profession spielst, musst du das aber als Anfänger auch nicht unbedingt wissen.

 

Unter Die wichtigsten Begriffe im LARP findest du außerdem alle LARP-spezifischen Fachbegriffe, die du kennen solltest.

6. Schwarz, schwarz schwarz sind alle meine Kleider

Es gibt eine bestimmte Gewandungskombination, die wirklich ausschließlich von Anfängern getragen wird. Und das ist schwarzes Hemd mit schwarzer Hose, am besten noch ein schwarzes Kopftuch und ein Trinkhorn am Gürtel. Für ein Metal-Festival wäre das eine ganz ordentliche Klamotte, aber für MittelalterFantasy-LARP ist es eher nicht so geeignet.

 

Ein bisschen Geschichte zwischendurch

Es heißt zwar “Das finstere Mittelalter”, allerdings ist das ein Ausspruch, der von Gelehrten der Renaissance (etwa 16. bis 17. Jahrhundert) geprägt wurde. Gemeint war damit vor allem der wissenschaftliche Rückschritt im Vergleich zur Antike (bis etwa 800 v. Chr.).

 

In der Antike kannte man beispielsweise öffentliche Badehäuser und hatte ein vergleichsweise sehr modernes Gesundheitswesen. Im Mittelalter hingegen galt es als reinlich seinen Nachttopf aus dem Fenster auf die Straße zu leeren und eine der höchsten Künste der Medizin waren Aderlasse.

 

Mit “finster” war also keinesfalls die Kleidung gemeint, die je nach gesellschaftlichem Stand durchaus kunterbunt und fröhlich war.

irrlicht-larpt pflanzengefärbte Wolle
Mit Pflanzen, wie z.B. Birkenblättern (gelb, hellgrün), Kastanien (hellrosa, braun) oder Färberkrapp (orange, rot) lässt sich Wolle kunterbunt färben.

Aber wir sind doch im LARP?

Im Fantasy-LARP müssen wir uns nicht unbedingt an historische Begebenheiten halten. Trotzdem hat schwarze Kleidung einige Nachteile im Vergleich zu bunter Kleidung:

  • Dunkle Kleidung heizt sich im Sommer extrem stark auf.
  • LARP lebt von Klischees und Vorurteilen. Schwarz wird meistens mit düsteren, bösen Charakteren in Verbindung gebracht.
  • Hinterlistige Charaktere, wie zum Beispiel Diebe oder Assassinen fallen mit schwarzer Kleidung eher auf als mit Kleidung, die in ähnlichen Farben wie die Ungebung gehalten ist. Im Wald erkennt man Leute in braun-grüner Kleidung wesentlich später, weil sie sich gut in die natürliche Umgebung einfügen.

Wenn du jetzt immer noch nicht von bunter Kleidung überzeugt bist, sagst du vielleicht “Aber bunte Farben stehen mir einfach nicht”. Das dachte ich auch bevor ich es einfach ausprobiert habe. Schnapp dir einfach eine(n) gute(n) Freund/in und probiert gemeinsam verschiedene Kleidungsstücke aus. Es muss ja nicht gleich Neon-Pink oder grelles Orange sein.

 

Aber ist Schwarz wirklich ganz verboten?

Nein, natürlicht nicht. Du kannst jederzeit zum Beispiel eine schwarze Hose mit einer grünen Tunika oder ein rotes Kleid mit einem schwarzen Mieder kombinieren. Lediglich komplett in Schwarz gehaltene Gewandungen sollen vermieden werden.

Das waren 6 typische Anfängerfehler im LARP. Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen. Wenn du noch etwas ergänzen möchtest oder eine Frage hast, lass mir doch gerne einen Kommentar da. 🙂

Ein Kommentar

  • Julchen

    Ein weiterer Tipp: lehne deinen ersten Charakter von den Wesenszügen her an dich selbst an! Auf deinen ersten LARP-Veranstaltungen erwarten dich so einige neue Situationen und Kreaturen. Wenn du dann jedesmal überlegen musst, “wie würde mein Charakter reagieren?”, zerstörst du dir selbst und anderen die Chance auf eine spontane und authentische Reaktion. Dabei geht es tatsächlich nur um das charakterliche Wesen deiner Figur, nicht aber um andere Eigenheiten, wie Rasse, Klasse, Herkunft etc.
    Sobald du mehr Erfahrung gesammelt hast und nicht mehr so schnell überrascht werden kannst, kannst du deinen Fokus mehr auf das eigentliche Rollenspiel legen und auch Charakterkonzepte bespielen, die dir selbst eher unähnlich oder sogar komplett entgegen gesetzt sind.

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